Wie ein Lied Weihnachten retten kann

A Mosquito story…

Seit Ende November beginnt jede Studytime mit demselben Streit: sollen wir den Ventilator benutzen oder nicht. Die eine Hälfte will sich vor den Mosquitos schützen und schaltet den „fan“ an, die andere Hälfte beginnt daraufhin zu nörgeln, weil es ziemlich kalt werden kann am Abend und die Mädchen dauernd frieren. Meistens gewinnt die Mosquito Gruppe den Kampf, weil es wirklich unerträglich werden kann mit den Viechern. Eines Tages hat die Schule beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen, und die Fathers haben Männer angeheuert, die auf dem ganzen Campus Mosquitogift verteilen sollten. Mir hat davon keiner etwas gesagt, und so war ich unwissend in meinem Zimmer an diesem Nachmittag und habe gerade meine Wäsche fertig aufgehängt. Plötzlich klopft es an meiner Tür und die Sister ruft, dass ich die Tür aufmachen soll, weil ein paar Männer mit Mosquitogift kommen. Gesagt getan, ich öffne die Tür und werfe hastig einen Schal über mein sehr unordentliches Bett. Ich habe erwartet, dass die Männer vielleicht irgendeine Flüssigkeit an den Fensterrahmen und an den Stellen, die mit Wasser in Berührung kommen (Mosquitos brüten im Wasser), verteilen. Falsch gedacht. Ich höre plötzlich ein Brummen und Zischen hinter mir und drehe mich wieder zur Tür um, nur um festzustellen, dass da jemand irgendeinen Dampf in mein Zimmer hinein sprüht mit einem sehr lauten Gerät. Ich bin so überrascht, dass ich einfach nur verdutzt und geschockt dastehe. Als ich aus meiner Schockstarre erwache, ist bereits so viel Dampf in meinem Zimmer, dass ich die Tür kaum noch sehen kann. Weil ich weiß, dass in der Tür ein Mann mit dem Gerät steht, renne ich instinktiv zum Fenster auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes. Ich muss von dem Gas husten und kann den Arbeitern nichts zurufen. Nach einer gefühlten Ewigkeit hört das Geräusch auf und ich bleibe mit einem Schal vor Mund und Nase gepresst schockiert am Fenster zurück, ich sehe meine Hand kaum vor Augen, so neblig ist es. In meinem Kopf sind drei Gedanken: Warum hat mir die Sister nicht gesagt, dass ich raus gehen soll? Wie komme ich jetzt hier raus? Und ein sehr banaler, in der Situation etwas unpassender Gedanke: Na toll, jetzt darf ich meine aufgehängte Wäsche nochmal waschen!
Irgendwann zähle ich drei, zwei, eins runter und renne los, blindlings in den Nebel hinein. Zum Glück kenne ich den Weg nach unten sehr gut, aber ich habe trotzdem wirklich Panik, weil ich nichts sehen kann! Ich reiße im Rennen viel Wäsche von den Wäscheleinen im Gang, aber das ist mir egal, ich will nur noch die Treppe finden. Als ich dann endlich draußen bin, schauen mich alle ganz verwundert an und fragen, warum ich denn nicht vorher rausgegangen bin.
Ich war danach heilfroh und gleichzeitig unglaublich wütend, weil man mir vorher nicht Bescheid gegeben hat. Das ganze Hostel war in Nebel gehüllt und aus den Fenstern quoll Dampf. Es sah aus, als würde es innen brennen. Nach 25 Minuten hatte sich das meiste wieder verflüchtigt und man konnte innen wieder etwas sehen. Der Geruch blieb noch etwas länger, war aber auszuhalten. Das Mosquitogift wurde auch in allen anderen Gebäuden und auf den Wiesen verteilt, kein Ort war davor sicher.

Genützt hat die ganze Aktion nach unser aller Meinung kaum etwas. Ein, zwei Tage waren es deutlich weniger Mosquitos, aber schon nach drei Tagen war wieder alles wie vorher. Wir müssen wohl einfach warten, bis die Saison vorüber ist…

Eine weihnachtliche Woche

In der Woche vor Weihnachten waren sehr viele Weihnachtsfeiern! Die Hostel-Weihnachtsfeier, die LehrerInnen-Weihnachtsfeier, die Weihnachtsfeier in der Good Samaritan Grundschule in Ongur, die Jesuiten-Weihnachtsfeier, die Weihnachtsfeier der Jugendgruppen aus allen Villages in der Umgebung. Jede Feier hatte ihren eigenen Zauber und war besonders.

Im Hostel haben wir drei Tage vorher mit der Planung begonnen, für tamilische Verhältnisse sehr früh, nach meiner Erfahrung. Zwei Tänze, drei Weihnachtslieder, zwei kurze Theaterstücke, zwei Reden, ein Auftritt des Christmas-Tatas (Übersetzt Weihnachts-Opa, also Santa Claus).

Ein buntes Programm, das mit dem Verteilen der Geschenke geendet hat. Dafür wurde im Hostel gewichtelt, also hatte jeder eine andere Person, hier „Christmas Friend“ genannt, für die er ein kleines Geschenk vorbereitet. In den Tagen davor musste ich unzählige Male „C-h-r-i-s-t-m-a-s F-r-i-e-n-d“ für jemanden buchstabieren, trotzdem kamen am Ende die lustigsten Varianten auf den Grußkarten raus: „Krismas Frend“, „Chrisma Prand“, „Kirusmas Fiend“, es war wirklich süß und auch lustig zu lesen! An der Feier selber ist dann immer eine Person vorgetreten und hat ihren Christmas Friend angepriesen, ohne deren Namen zu verraten. Das Publikum durfte raten und am Ende hatte jede von uns ein Geschenk bekommen. Manche haben ein Schulheft, Stifte oder Ketten verschenkt, andere haben mehr Geld und größere Geschenke wie eine kleine Wanduhr oder Weihnachtsdeko gekauft.

Auf der LehrerInnen Weihnachtsfeier war das Programm kürzer, aber der Christmas-Tata durfte auch hier nicht fehlen. Wir haben alle als Geschenk einen Kuchen und eine tamilische Bibel für 2019 bekommen, in der für jeden Tag Lesungen und das Evangelium stehen. Ich verstehe darin zwar fast nichts, aber ich benutze die Bibel jetzt, um das Lesen der Tamilischen Buchstaben zu üben.

Tamilische Bibel für 2019

In Ongur wurden alle Mitglieder des Staffs im Fatherhouse geehrt, die Köchinnen, die Farmer, die Wäscherin, die Näherin, der Watchman. Die Grundschüler aus dem Hostel der Good Samaritan Primary School hatten nur einen Tag für die Vorbereitungen und haben trotzdem drei wundervoll bunte Tänze, zwei inbrünstige Weihnachtslieder und ein sehr gut inszeniertes Theaterstück vorgeführt. Ich war vor der Feier 20 Minuten früher da als gedacht und wurde stürmisch begrüßt. Ich habe mit den Kleinen Quatsch gemacht, sie haben mit mir getanzt und gelacht, es war so schön mit ihnen. Nach dem Essen musste ich versprechen noch zu warten, weil mir die Mädchen ihre neuen Kleider vorführen wollten, die sie von Sponsoren an der Feier bekommen hatten. Ich kenne die Kinder in Ongur erst so kurz, aber sie haben mein Herz in Rekordzeit erobert.

Auf der Jesuiten Weihnachtsfeier in der Nähe von Chengalpattu war ich die einzige Frau und die einzige nicht-Jesuitin, aber inzwischen habe ich mich schon so an die Gesellschaft von Fathers gewöhnt, dass es trotzdem ein lustiger Abend wurde. Mein Mentor Father Dominic hatte mich eingeladen und ich habe dort viele Fathers getroffen, die ich aus Chennai oder von anderen Feiern kannte. Während der Feier wurde in jeder zweiten Rede mein Name erwähnt und ich wurde nochmal extra willkommen geheißen. Das war mir ein bisschen zu viel Aufmerksamkeit, aber ich konnte sie nicht davon abhalten:) Die Feier wurde in Gedenken an die viele Opfer vom Zyklon Gaia sehr klein gehalten, es gab z.B. keine Geschenke, wie es sonst üblich ist. Beim Essen habe ich mich lange mit einem vollbärtigen Jesuiten mittleren Alters unterhalten, der von 2002 bis 2005 in Nürnberg gewesen ist. Wie es der Zufall will hat er oft in der Maria-Ward-Kapelle Gottesdienst gehalten, die ich ja sehr gut kenne. Gemeinsam haben wir uns in Erinnerungen an den Christkindlesmarkt und „Drei im Weggla“ verloren…

Die Weihnachtsfeier der Jugendgruppen fand ebenfalls in Ongur statt. Jedes Dorf hat mit seinen Jugendlichen ein oder zwei Beiträge zum Programm beigesteuert, da waren wieder so viele schöne Tänze und Lieder dabei, auch „Nun freut euch ihr Christen“ in Englisch und Tamil (wobei ich leise auf Deutsch mitgesungen habe, um selbst ein bisschen Weihnachtsgefühl zu bekommen). An alle Gäste wurde Kuchen verteilt, denn was bei uns die Weihnachtsgans ist, ist in Tamil Nadu der Christmas Cake. Ich glaube wir haben in den letzten Wochen jeden Nachmittag im Fatherhouse Kuchen gegessen, gebacken von allen möglichen Sisters oder Familien aus der Umgebung.

Ich habe für Weihnachten außerdem eine verrückte Bastelaktion gestartet: ich wollte Fröbelsterne für alle Hostelkinder und Lehrerinnen machen! Irgendwie hat sich die Anzahl hochgeschaukelt, denn wenn ich dem einen schenke, muss ich dem auch einen schenken, und dann muss ich ihr eigentlich auch einen geben, das übliche Geschenke-Problem eben. Die finale Anzahl war 68, aber ich habe früh genug angefangen, um das bis zum 22. hinzubekommen, wenn die meisten den Campus verlassen. Fast meine komplette freie Zeit verbrachte ich vor Weihnachten mit Buntstiften (nur weiß wäre ja langweilig!), Papier, Schere und Lineal. Ich wurde immer schneller im Papierstreifen-Ausschneiden und im Falten. Am Abend des 21.12. wurde der letzte Stern fertig, 13 Papierbögen und viele verzweifelte Momente wegen gerissenen Papierstreifen später. Zufrieden sah ich auf meine 68 Sterne und hoffte, den Mädels damit morgen ein Lächeln auf ihre Gesichter zaubern zu können.

Mit diesem Geschenk wollte ich zeigen, dass man für etwas Schönes nicht immer viel Geld ausgeben muss, und dass Mühe und liebevolle Arbeit manchmal ein besseres Geschenk sein können, als etwas für 200 Rupees im Laden zu kaufen. Die Sterne wurden mit Freude von meinen Mädels bestaunt und viele kamen gleich zu mir, um noch welche für ihre Familie zu bestellen:)

Leider konnte ich die Sterne an die Lehrerinnen nicht mehr vor Weihnachten verteilen, weil ich sie im Lehrerinnenzimmer am letzten Tag knapp verpasst habe.

Weihnachten – Wie ein Lied den Abend gerettet hat

Weihnachten in Indien! Wie sehr ich mir diesen Tag vorher ausgemalt habe, in den schönsten Farben, mit wunderbaren Klängen, großem Fest, vielen glücklichen Menschen. Ich hatte hohe Erwartungen, denn Weihnachten muss schließlich ein ganz besonderer Tag werden. Doch Weihnachten hat mich dieses Jahr eine Lektion gelehrt, die viel mit „hohen Erwartungen“ zu tun hat…
Aber fangen wir von vorne an: In Indien wird Weihnachten erst am 25. Dezember gefeiert, die Messe ist spät abends am 24. und endet am 25. . Ich war wohl die einzige hier, die schon am 24. mit Weihnachtsgefühl im Bauch herumgelaufen ist und jedem ein Lächeln geschenkt hat, einfach weil Weihnachten ist. Die fast schon gleichgültige Einstellung meiner Mitmenschen zum 24. Dezember (wir hatten sogar Schule) hat mein Hochgefühl etwas gehemmt, aber ich wollte es mir dadurch nicht nehmen lassen! Geplant war, dass wir mit den neun verbliebenen Hostelmädchen nach Kuppayanallur in den 11:30 pm Gottesdienst gehen. Es ist das erste Mal, dass in der Kirche von Kuppayanallur ein Weihnachtsgottesdienst ist, weil es nur eine untergeordnete kleine Gemeinde ist, die zur Parish Church von Ongur dazugehört, und normalerweise gibt es nur in den Parish Churches einen Weihnachtsgottesdienst. Weil dieses Jahr mit der Tradition gebrochen wurde, hat man uns eine große Feier mit viel TamTam versprochen, auf die wir uns den ganzen Tag gefreut haben. Aber die Vorfreude wurde uns beim Mittagessen genommen, als vom Father Superior verkündet wurde, dass nur die Jungs aus dem Boys Hostel nach Kuppayanallur dürfen und die Mädels nach Ongur in die Messe gehen sollen. In Ongur leben nur fünf christliche Familien, weshalb die Ongur-Messe durch die „Konkurrenzveranstaltung“ in Kuppayanallur dieses Jahr sehr leer sein wird. Die Mädels sollten die leeren Reihen füllen und außerdem den Chor bilden. Wir waren sehr enttäuscht, weil uns die große Feier nun entgehen würde, aber wir haben es akzeptiert und uns dann eben auf einen kleinen, privaten Gottesdienst gefreut. Vor dem Abendessen wurden fleißig Weihnachtslieder geübt, nach dem Essen haben wir uns zurechtgemacht. Eigentlich zieht man in Tamil Nadu für eine große Feier wie Weihnachten immer ein neues Kleid an, das extra dafür gekauft wurde. Da wir aber alle seit den letzten Ferien im Hostel waren, hatte keiner von uns Zeit ein neues Gewand zu kaufen und wir haben uns für bereits getragene Kleider(die immer noch sehr schön sind!) entschieden. Mir wurde eine hübsche Frisur gemacht, wir haben uns kleine Steinchen auf die Stirn geklebt, die Vorfreude war wieder da und riesig.

Als alle fertig umgezogen waren, kam der zweite Rückschlag des Tages: eine 12. Klässlerin hat sich übergeben, kurz bevor wir los mussten. Dann waren alle in heller Aufruhr und haben ihr heißes Wasser (hier ein Wunderheilmittel für alles) und Glucose gebracht, sie hat sich hingelegt und der Hostel-Direktor wurde angerufen. Die Zeit lief uns davon, aber es hat niemanden gestört, alle waren so besorgt um sie. Ich habe mich in einem Anflug deutschen Pünktlichkeitsdenkens gefragt, ob nicht wenigstens die restlichen Mädels schon mal zur Messe gehen könnten, schließlich erwartete man dort den Chor. Aber stattdessen haben nur alle rumdiskutiert, was das Mädchen falsches gegessen haben könnte, weshalb es ihr jetzt so schlecht geht. Unser Fahrer ist mit dem Schulleiter ohne uns nach Ongur vorgefahren, weil wir so spät dran waren, aber der Schulleiter die Predigt halten musste. Mit einer halben Stunde Verspätung haben wir dann vor dem Eingangstor auf die Rückkehr unseres Busses gewartet, damit er auch uns nach Ongur bringen kann. Die kranke 12. Klässlerin wollte unbedingt mit in die Messe, denn sie ist Hindu und wollte schon immer mal Weihnachten feiern. Also haben wir auf sie Acht gegeben und sie durfte mitkommen. Als wir dann endlich im Bus waren, hat uns irgendein Motorrad auf halber Strecke aufgehalten, weil es mitten auf der Straße stehengeblieben ist. Ich dachte schon, wir kommen gar nicht mehr an. Dann sind wir vom Bus zur Kirche gehetzt und ich bin im Dunkeln über einen rostigen Hering im Boden gestolpert, an dem ich mir meinen Zeh aufgeschlagen habe. In der Kirche hatte der Gottesdienst schon angefangen, ich wurde zu einem Metallstuhl gelotst um mich zu setzen. Dort hatte ich dann viel Zeit zum Nachdenken, weil ich in der Tamilischen Messe nicht sehr viel verstehe. Im Hintergrund hat ein Baby die ganze Zeit Krach gemacht, sodass man den Priester kaum verstanden hat. Neben meinem Kopf hat eine riesige Libelle lautstark versucht, möglichst nah an die helle Lampe zu fliegen, wobei sie das Lametta an der Wand nervtötend zum Rascheln gebracht hat. Mein Fuß wurde zum Opfer zahlreicher Mosquitos, sodass er gleichzeitig gejuckt und (von der Wunde vorher) gebrannt hat. Ich habe mich nur noch nach Hause gewünscht in meine gemütliche St. Josefs Kirche, wo ich innerlich zur Ruhe kommen und Weihnachten einfach mit meiner Familie genießen kann. Es waren so viele Kleinigkeiten auf einmal, die mir die Weihnachtsstimmung genommen haben. So habe ich mir Weihnachten in Indien wirklich nicht vorgestellt! Meine Enttäuschung war groß und ich saß traurig und genervt auf meinem Stuhl. Auch die viele Deko mit Glitzer und Blink-Lichtern und Sternen in allen möglichen grellen Farben hat meine Stimmung nicht heben können. Ich habe mich jetzt schon fünf Monate lang an diese (für mich ziemlich kitschige) Art der Dekoration gewöhnt, aber an diesem Abend war es mir einfach zu viel. Es erschien mir so unecht und so künstlich wie noch nie zuvor.

Während der Predigt habe ich mich mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt, denn ich konnte diese Situation einfach nicht so auf mir sitzen lassen. Ich wollte nicht, dass Weihnachten so für mich endet. Ich habe mir überlegt, dass die Situation vor allem so schrecklich ist, weil ich so hohe Erwartungen und schon eine genaue Vorstellung von diesem Tag gehabt hatte. In meiner Phantasie war es ein perfekter Tag mit vielen neuen Eindrücken, die mich überraschen und mich zum Staunen bringen. Die Wirklichkeit hat mich nur deshalb so kalt erwischt, weil ich den Tag in Gedanken schon so oft vorher durchgespielt hatte, dass er sich jetzt wie ein Fehlschlag anfühlte. Ich habe versucht mich zum positiven Denken zu zwingen und allein durch Willenskraft diesen Mantel der Enttäuschung abzulegen. So richtig gelingen wollte es mir zunächst nicht, es war einfach zu wenig Vertrautes und zu wenig Weihnachtliches in meiner Umgebung.

Aber dann kam dieses Lied. Ich kenne den Titel nicht und ich hatte es vorher erst einmal gehört, aber es hat die Nacht für mich geändert. Unser Schulleiter ist ein begnadeter Sänger und er hat am Ende der Messe ein Wiegenlied vorgetragen, es war ganz langsam und ruhig, fast schon meditativ, auf jeden Fall weihnachtlich. Während des Liedes sind alle Gottesdienst Besucher zur Krippe gegangen, um das Jesuskind zu verehren. Ich war wie gebannt von der Melodie und konnte den Ort plötzlich mit ganz anderen Augen sehen. Da war die Krippe, beleuchtet von mehreren Lichterketten in allen Farben. Da war der Altar, geschmückt mit so vielen bunten Tüchern, die plötzlich nicht mehr kitschig sondern mit-viel-Mühe-hergerichtet wirkten. Da war das Kind, vorher ein Störfaktor, jetzt schlief es beim Klang der Musik friedlich und niedlich in den Armen seiner Mutter. Ich weiß nicht, warum dieses Lied alles besser und schöner gemacht hat, ich weiß nur, dass ich es in genau dem Moment gebraucht habe. Wir haben nach dem Gottesdienst Kuchen gegessen und Fotos gemacht, jeder war in ausgelassener Stimmung, weil Weihnachten ist und wir das zusammen feiern können. Auch ich habe meine Freude vom Vormittag wiedergefunden und konnte wieder lächeln.

P.S.: Nur falls ihr euch wundert, warum einige Mädchen an Weihnachten im Hostel bleiben: in der Schule gibt es am Anfang jeder Ferien für die 10. bis 12. Klassen noch „coaching classes“, so was wie Intensivierungsunterricht. Jeder der 4 Tage wird einem Schulfach gewidmet, sodass ein vertiefterer Zugang zum Stoff möglich ist, als in den normalen 45 Minuten-Schulstunden. Dieser Unterricht fand am 23. (ja, es war Unterricht am Sonntag), 24., 26. und 27. Dezember statt. Weihnachten war ein freier Tag, den wir sehr entspannt angegangen sind. Es war natürlich sehr schwer für die SchülerInnen, Weihnachten fern von ihren Familien zu verbringen, also saßen wir alle im gleichen Boot. Aber wir hatten uns immerhin gegenseitig und haben uns eine schöne Zeit gemacht. Endlich wurde auch die schöne Dachterrasse des Hostels geöffnet, die seit meiner Ankunft immer mit einem Schloss versperrt gewesen war. Der Ausblick ist einfach toll und es ist so schön ein bisschen Sonne zu tanken, umgeben von den Baumkronen der Mango-, Neem- und Coconut-Trees.

Damit verabschiede ich mich auch schon wieder, ich wünsche allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2019!

1 thoughts on “Wie ein Lied Weihnachten retten kann

  1. Sr. Irmtraud Erlwein CJ 19. Januar 2019 at 19:54

    Liebe Samira, jetzt muss ich Dir doch noch schreiben. Vorhin in der VAM hat Deine Mutter Deinen Brief vorgelesen und Du warst auf einmal mitten unter uns. Das wurde noch deutlicher, als Dein Vater uns allen am Ende des GD die Fotos gezeigt hat, die ich schon in Deinem Blog gesehen habe. Heute haben wir das Evangelium von der Verwandlung des stinknormalen Wassers in köstlichen Wein gehört, und P. Robert hat dabei auf seine Predigt verzichtet, damit wir statt dessen für die Arbeit der Jesuit Volunteers die Kollekte ankündigen konnten.
    Ich schicke Dir herzlich Grüße und ermutige Dich, weiterhin das Wasser unserer Möglichkeiten einzusetzen, damit guter Wein für Menschen daraus wird, die ihn brauchen! Du verstehst schon!
    Ich grüße Dich im Namen der Maria-Ward-Schwestern herzlich und versichere Dir, dass wir Dich mit guten Wünschen und unserem Gebet begleiten! Deine Sr. Irmtraud Erlwein CJ.

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